Das Schlimmste war die Ungewissheit

Ariella Kaeslin, Kunstturn-Europameisterin

Ihre Grossmutter hatte Brustkrebs 

„Als ich sechzehn war, wurde bei meinem Grosi Brustkrebs diagnostiziert. Das ist schon eine Weile her, man hatte noch nicht die Möglichkeiten, die man heute hat. Ihr wurden beide Brüste amputiert, was man heute wohl nicht mehr so machen müsste. Auch die Chemo war heftig. Ich erinnere mich, dass es ihr etwa ein Jahr lang wirklich schlecht ging. Am Schlimmsten für uns als Familie war die Ungewissheit, vor allem für mein Mami. Nicht zu wissen, ob das Grosi diesen Kampf gewinnen würde, ging uns allen extrem an die Nieren. Sie hat es aber geschafft und danach noch zehn Jahre gelebt, und ist schliesslich nicht an Krebs gestorben.

Seither frage ich mich ab und zu schon, ob die Krankheit erblich ist. Bei mir wurde vor einiger Zeit eine Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs entdeckt, das konnte aber leicht entfernt werden. Ich glaube auch nicht, dass das etwas mit der Genetik zu tun hatte. Angst vor Krebs habe ich keine. Es bringt nichts, ständig mit einer Furcht im Hinterkopf durchs Leben zu gehen.

Das Reden über den Krebs fällt einem vermutlich deshalb so schwer, weil jeder, der direkt oder indirekt davon betroffen ist oder war, das eigentlich lieber vergessen möchte. Aber gerade weil es so eine schlimme Krankheit ist, muss man darüber sprechen. Es kann jeden und jede treffen, aber der Kampf ist zum Glück nicht aussichtslos. Als Sportlerin habe ich gelernt, auf meinen Körper zu schauen, und weiss vermutlich mehr als andere, wie wichtig Gesundheit ist. Dementsprechend lebe ich: Nicht krankheitsvermeidend, sondern gesundheitsfördernd. Alles andere ist Schicksal.“

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