Mein Vater hat die Krankheit von Anfang an angenommen

Silvia Rymann, Jodlerin

Tochter des legendären „Schacher Seppli“ Ruedi Rymann, der 2008 an Leberkrebs starb

  

„Als mein Vater meinen Geschwistern und mir im Frühling 2007 von der Diagnose erzählte, war ich erstmal der festen Überzeugung, dass der Krebs nur kurz „auf Besuch“ ist. Im Nachhinein gesehen war diese Reaktion wohl so etwas wie ein Schutz für mich. Mein Vater hingegen hat die Krankheit von Anfang an ohne zu hadern angenommen, hat alles mit Würde getragen. In einer solchen Zeit ist es nicht immer einfach, ein normales Familienleben zu führen: Eine solche Diagnose ist nicht wegzudenken, immer irgendwie präsent. Trotzdem haben wir versucht, die schönen Dinge im Leben in den Vordergrund zu stellen.

 

Ich habe meinen Vater noch öfter besucht als vorher, viele Gespräche mit ihm geführt und wir haben ihn auch immer wieder bei Arztbesuchen begleitet. Als er erfuhr, dass sein Kampf aussichtslos ist, hat er die Chemotherapie abgebrochen. Dafür hatte ich grosses Verständnis. Gleichzeitig war ich tieftraurig. Auch wenn es normal ist, dass der Vater irgendwann stirbt - das hat er uns oft gesagt, dass er sowieso der nächste gewesen wäre und das nur natürlich sei. Sicher ist der Tod des Vaters etwas anderes, als wenn man ein Geschwister oder ein Kind verliert, aber wenn das Familienoberhaupt plötzlich weg ist, hinterlässt das ein riesiges Loch. Heute, zehn Jahre später, kann ich dieses traurige Ereignis annehmen.

 

Es hat aber viel Zeit gebraucht, bis ich soweit war, mich mit der veränderten Situation abzufinden und nach vorne zu schauen, obwohl ein geliebter Mensch fehlt. Ich glaube, wir Geschwister tragen seit Vaters Tod noch mehr Sorge zu unserer Mutter. Wenn sie einmal nicht mehr ist, ist es definitiv Zeit, mit der Kindheit abzuschliessen. Dann ist man die nächste Generation, die gehen wird.“

 

 

 

 

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